Lautbilder: 11 Jahre Keimzeit

Lautbilder: 11 Jahre Keimzeit

Heute ist der 3. Mai 2026. Morgen beginnt wieder der Schulalltag.

Nach den Frühlingsferien freue ich mich auf meine 6. Klasse. Schule mit ihnen macht richtig Spass. Und trotzdem muss ich ehrlich sagen: In den letzten Wochen waren meine Gedanken in der Freizeit selten bei ihnen.

Ich sage nur: Lautbilder.

Seit Februar ist aus einer spielerischen Idee plötzlich etwas Handfestes geworden. Die Post brachte mir mein erstes eigenes «Produkt». Ich habe es – kaum zu glauben – über meinen eigenen Shop bestellt. Und gleich in mehreren Sprachen.

Foto von mir zusammen mit Jannik (15) und Felix (6). Wir halten das allererste Lautbilder-Poster.

Darauf hätte ich nie gewettet. Und doch ist es so.

Es ist erstaunlich, wie verschiedene Fäden plötzlich zusammengefunden haben – unter einem Namen: GoalPass.

Aber von vorne: Die Ursprünge der Lautbilder kann ich ziemlich genau benennen. Und sogar datieren. Heiligabend 2014.

Jannik war damals dreieinhalb Jahre alt, Franziska eineinhalb. Dieser Abend ist festgehalten: es geht um einen Brief, einen Namen und um Geschenkpapier.  Sie packen Geschenke aus. Im Nachhinein war es aber nicht der Inhalt, der hängen blieb – sondern das Geschenkpapier.

Buchstabenpapier, ein Brief, ein fehlender Name. Jannik (4) und Franziska (2)

Wir haben die Buchstaben aus dem Geschenkpapier ausgeschnitten. Und so hat Jannik zum ersten Mal mit richtigen Buchstaben geschrieben – ohne das System dahinter schon wirklich zu verstehen.

Aber er wollte schreiben: Wir suchten nämlich einen Namen für sein kleines Schwesterchen, das noch in Lindas Bauch war und am Dreikönigstag zur Welt kommen sollte.

Video von Jannik (4), der auf Lindas Bauch „schreibt“.

Diese ausgeschnittenen Buchstaben habe ich später auf festeres Papier geklebt. Und wir haben sie immer wieder hervorgenommen – bei Jannik, bei Franziska, später bei Florina. Bis zu Felix.

Da fehlten bereits zu viele Buchstaben. Schreiben ging nicht mehr. Und genau da begann meine aktive Lautbilderarbeit. Neue Lautbilder mussten her. 

Das war letzten Sommer. Felix war fünf. Meine letzte Chance beim Lesenlernen meines eigenen Kindes ganz nahe dabei zu sein. Als Vater, der von Beruf aus Lehrer ist, muss ich sagen: das möchte man eigentlich selber erleben und nicht der Schule überlassen. 

Und ich hatte Ideen.

Die Lautbilder sollten nicht nur helfen, sich an einen Laut zu erinnern.
Sie sollten gleichzeitig auch die Form des Buchstabens tragen. Und es sollten genug sein, so dass man gut schreiben kann. Und sie sollten ein System bekommen, damit man sie besser findet...


Nach zwei, drei Monaten hatte ich für jeden Buchstaben eine erste Version. Zeit für einen Test.

Ich gestaltete ein Arbeitsblatt mit allen Lautbildern am Rand und forderte Felix auf seinen Namen in die Mitte zu schreiben (das kann ein Kindergärtner). Dann forderte ich ihn auf, die Buchstaben seines Namens mit den passenden Lautbildern zu verbinden.

Er verstand das Konzept sofort.

Und im nächsten Moment begann er von sich aus zu schreiben – mit den Lautbildern als Orientierung. Danach verband er wieder alle Buchstaben mit den Lautbildern. 

Mit einer Freude, die man sehen muss.

Felix (5) verbindet Buchstaben mit Lautbildern. 

Da war für mich klar: Da möchte ich dranbleiben.

Und so hat ein Gedanke, der elf Jahre lang irgendwo mitgelaufen ist, plötzlich Fahrt aufgenommen.